Zum Thema Motivation gibt es zahlreiche Ratgeber und noch einmal so viele Seminare. Sehr oft bekommt man zu lesen oder hören, das man niemals aufgeben und immer positiv denken soll. Doch stimmt das wirklich?

 

Das Thema Motivation wird in drei Blogbeiträge aufgeteilt. Im ersten Teil geht es um Grundlagen und Begriffe, aber auch um die Wichtigkeit bei Projekten. Im zweiten und dritten Teil werden Motivationslügen bzw. Motivationsirrtümer vorgestellt.

Direktlink zum Blogbeitrag Motivation – Grundlagen und Begriffe

Direktlink zum Blogbeitrag Motivationslügen (Teil 1)

 

Motivationsirrtum 6 – Vermeiden Sie Stress!

Wussten Sie, dass Stress vielschichtig ist und in negativen und positiven Stress unterteilt wird?

Die Aussage “Vermeiden Sie Stress!” stimmt jedoch nur bei negativem Stress. Dieser ist ungesund, macht krank und verändert die Psyche. Positiver Stress bewirkt jedoch das Gegenteil und motiviert eine Person weiterzuarbeiten, um eine Aufgabe oder ein Ziel zu erreichen. Man muss sich also einem gewissen Stress aussetzen, um etwas zu erreichen und motiviert zu sein.

Doch wann ist Stress positiv?

Stress wird immer dann als positiv eingestuft, wenn wir selbst handeln und eigenständig lösen können. Zudem muss ein Sinn erkannt werden, um mit Motivation mit einer Aktivität zu starten.

 

Motivationsirrtum 7 – Gehen Sie Konflikten aus dem Weg!

Konflikte gibt es überall. Sie können niemals allen Konflikten aus dem Weg gehen und teils sind sie sogar gewünscht. Entsprechend wichtig ist es, sich Konflikten zu stellen, an ihnen zu arbeiten und Lösungen zu erarbeiten. Denn jeder Konflikt hat eine Ursache, welche verstanden werden muss. Bei vielen Projekten werden Konflikte umgangen oder totgeschwiegen. Dies ist ein absolutes No-go und wenig professionell. Zwar ist es für manche Projektbeteiligte damit leichter, dem Konflikt aus dem Weg zu gehen und die Probleme auf die Schulter der anderen zu verteilen, aber langfristig ist der Schaden so groß, das umfangreiche Projektumstrukturierungen und ein Austausch des Teams unausweichlich sind.

Aufbauend auf der Kenntnis, dass jeder Konflikt eine Ursache hat, können Sie genau dies ausnutzen und gemeinsam daran arbeiten, Prozesse neu zu organisieren, Tools und Methoden zu hinterfragen, die Kommunikation zu verbessern und eine Feedback-Kultur einzuführen. Für letzteres gibt es übrigens zahlreiche interessante Ideen wie kleine Geschenke, gemeinsame Pausen, handschriftliche Wertschätzungskarten,…

Im übrigen empfiehlt sich bei größeren Konflikten und festgefahrenen Strukturen die Hilfe von externen Beratern, die eine neutrale Rolle und Sichtweise einnehmen und als Mediator vermitteln können.  Dabei sollten Sie beachten, dass ein guter Berater sich nicht persönlich beeinflussen lässt und naive Persönlichkeitsbilder ignoriert.

 

Motivationsirrtum 8 – Fokussieren Sie sich!

Das Problem beim Fokussieren besteht darin, dass Sie sich gedanklich festsetzen können und an etwas bestimmtes festhalten. Gerade hier ist die Gefahr groß, etwas zu übersehen, ineffizient zu arbeiten oder nicht auf eine unerwartete Situation eingehen zu können.

Unerwartete Situationen können Personen sehr schnell aus dem Konzept geraten lassen. Doch gerade jetzt ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich von der Zielfokussierung zu verabschieden. Orientieren Sie sich neu! Die Konzentration muss jetzt auf dem neuen Weg liegen und nicht beim Ziel.

 

Motivationsirrtum 9 – Niemals aufgeben!

11,2 Millionen Treffer zeigt Google bei dieser Aussage an. Bei der englischen Version “Never give up” sind es sogar 5,35 Milliarden Ergebnisse. Dann muss doch etwas dran sein, oder?

Es ist richtig, nicht gleich beim kleinsten Hindernis aufzugeben. Es ist aber ebenso falsch, sich verbissen an etwas zu klammern, bei dem keine Aussicht auf Erfolg besteht. Es ist wichtig, loslassen zu können und einen neuen Weg einzuschlagen. Denn ein Ausharren in einer aussichtslosen Situation zerrt an der Psyche und lässt das Wohlbefinden deutlich sinken.

Gerade mit neuen Wegen können Sie plötzlich motivierter und glücklicher sein. Ein Aufgeben ist auch kein Zeichen einer Schwäche, sondern zeugt von Selbstsicherheit und ist bei vielen Prozessen sogar gewünscht.

 

Motivationsirrtum 10 – Denken Sie groß! Sie schaffen alles.

Diese Aussage hat wahrscheinlich jeder schon mehrfach gehört. Die Realität sieht aber so aus, dass durch zu hochgesteckte Ziele der Weg dorthin zu umfangreich und ggf. unübersichtlich ist.

Zwar sollten Sie sich Ziele setzen, aber dabei beachten, das diese durch Unterziele und Parallelwege nachvollziehbar und umsetzbar sind. Der Mensch ist nicht in der Lage, komplexe Ergebnisse zielgerichtet abzuarbeiten. Erst durch das Aufteilen in mehrere kleine Schritte wird der Weg und damit verbunden der Aufwand erkennbar.

Ein Beispiel wäre Bergsteigen. Zwar ist der Gipfel und der Ausblick von dort oben verlockend, aber schnell demotivierend, wenn Sie den Weg dorthin nicht beachten und an einer Felswand scheitern.

Der Weg ist das Ziel! Und überfordern Sie sich und andere nicht selbst.

 

Titelbild: © André Sandner – andre-sandner.com & stock.adobe.com