Zum Thema Motivation gibt es zahlreiche Ratgeber und noch einmal so viele Seminare. Sehr oft bekommt man zu lesen oder hören, das man niemals aufgeben und immer positiv denken soll. Doch stimmt das wirklich?

 

Das Thema Motivation wird in drei Blogbeiträge aufgeteilt. Im ersten Teil geht es um Grundlagen und Begriffe, aber auch um die Wichtigkeit bei Projekten. Im zweiten und dritten Teil werden Motivationslügen bzw. Motivationsirrtümer vorgestellt.

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Motivationsirrtum 1 – Denken Sie positiv!

In allen Bereichen ist diese Aussage fest etabliert, aber ist stetiges positives Denken gut?

Die Antwort ist nein. Denn durch eine zu positive Grundeinstellung sind Sie zwar im ersten Moment motivierter und fühlen sich gut, können aber dadurch ein zu hohes Sicherheitsgefühl entwickeln und sich in Dingen zu sicher sein. 

Ein Beispiel wären Bewerbungen. Ist das eigene Sicherheitsempfinden so hoch, dass man einen Job bei dem Unternehmen XY bekommt, dann werden automatisch weniger Bewerbungen geschrieben. 

Dies kann fatal sein, da Sie durch die eigene Überschätzung wertvolle Zeit verlieren , Geld verbrennen und im Projektmanagement Teammitglieder verstimmen.

 

Gehen Sie also mit Vorsicht mit dieser Aussage um und hinterfragen zuerst mit Annahmen und Erklärungen, inwieweit die Aussage wirklich motivieren kann.

 

Motivationsirrtum 2 – Mit Selbstvertrauen klappt alles!

In dutzenden Ratgebern wird mangelndes Selbstvertrauen als eine der Hauptgründe für ausbleibende Motivation beschrieben. Doch entspricht dies der Realität oder spüren Sie gerade mangelndes Selbstvertrauen?

Die Antwort dürfte auch hier schnell mit Nein beantwortet werden. Sehr oft sind es die Umstände in einem Projekt, die das Selbstvertrauen zerstören. Dazu zählen zwischenmenschliche Unstimmigkeiten und mangelhafte Kommunikation, in der das Teammitglied das Big Picture nicht erkennt.

Im Gegenteil, Unsicherheit ist sogar wichtig, um sich weiter anzustrengen, nicht aufzugeben und sich anzupassen. Mit der Unsicherheit wird oft auch beim Generieren von Ideen oder der Gestaltung von Prozessen gespielt. Mit dieser Strategie erhalten Sie ein realitätsnahes Bild ohne überzogene Euphorie.

 

Motivationsirrtum 3 – Mit Spaß sind Sie immer motiviert!

Dieses Mantra ist zum Glück auch schon mit wissenschaftlichen Nachweisen widerlegt worden.

Egal ob Sie Hausmeister, Managerin oder Buchhalter fragen, keiner wird Ihnen sagen, dass der ausgeführte Job zu 100% Spaß macht. Vielmehr ist es Erfolg, der eine langfristige Motivation hervorruft. Das daran auch Spaß partizipiert ist verständlich. Anstatt bei einem Projekt mit Spaß zu arbeiten, bauen Sie lieber darauf, dass Teammitglieder Erfolg haben und spüren, ob sie etwas gut gemacht haben.

 

Motivationsirrtum 4 – Jeder muss sich selbst motivieren!

Viele Theorien besagen, dass man bei externer Motivation lernt, bei Strafen auszuweichen oder bei Belohnungen sich daran gewöhnt. Dies ist im Alltag durchaus häufig zu beobachten, jedoch kommt es darauf an, wie Sie extrinsisch motivieren.

Bei extrinischischer Motivation muss der eingesetzte Motivationsfaktor überraschend, persönlich und selten sein. Zu häufiges motivieren, absehbare Belohnungen und Gießkannen-Logik machen jede Motivation zunichte.

Hinterfragen Sie sich, inwieweit Ihr geplanter Motivationsfaktor für das Team oder das einzelne Teammitglied wirklich etwas bedeuten. Und bitte keine Promotionartikel verschenken, auch wenn diese nützlich erscheinen.

Übrigens kann auch zu häufiges Lob die Motivation nachhaltig schaden oder gar wie ein Kartenhaus in sich zusammenstürzen lassen. Das Problem besteht darin, dass das Gehirn lernt, eine Handlung mit einem Lob zu verknüpfen. Nach und nach festigt sich diese Einstellung und die Person wird nur noch aktiv, wenn ein Lob kommt. Wird diese Strategie noch weiter übertrieben, dann tritt eine Verschärfung der Situation ein, indem die Person bei einem Lob gar nicht mehr rational agiert.

Lob ist eben wie eine Droge und die Dosis muss stetig erhöht werden. Überlegen Sie also genau, wann Sie ein Lob einsetzen und mit welcher Intensität.

 

Motivationsirrtum 5 – Geld motiviert niemanden!

Beim Thema Geld nehmen rationale Überlegungen und Vernunft eine untergeordnete Rolle ein. Wissenschaftler konnten in Studien nachweisen, dass selbst die Erhöhung um einen kleinen Geldbetrag im Gehirn die Bedürfnisbefriedigung aktiviert und somit Emotionen das Ruder übernehmen.

Im größeren Maßstab ist dies auf die Börsen umzulegen, wo Angst und Gier recht schnell die Oberhand gewinnen. Nicht jedem fällt es leicht, mit rationalen Entscheidungen sich abzusichern und mit weniger auszukommen – Geld spielt eben doch eine gewisse Rolle, wenn auch dieser Motivationsfaktor die Motivation bei höheren Beträgen deutlich reduziert.

 

Titelbild: © André Sandner – andre-sandner.com & stock.adobe.com